Geht Dir das auch häufig so?

© Andrea Marchetti

Es ist erstaunlich, wie bereitwillig wir jede Gewalt annehmen, die sich gegen uns richtet. Greift jemand uns an, ist es so gut wie sicher, dass wir prompt selbst innerlich angreifen. Es wäre herrlich, genug Vertrauen zu unserem Selbst und genug Freiheit und inneres Gleichgewicht zu haben, um Freindseligkeiten, die auf uns zukommen, einfach an uns vorbeigehen lassen.

  • Jemand greift uns verbal an;
  • reibt uns unsere Schwächen und Mißerfolge unter der Nase;
  • gibt der Tatsache Ausdruck, dass unser bloßer Anblick hinlangt, in ihm den Wunsch nach sofortiger Reinkarnation zu erwecken;
  • und bekundet das tiefste Mitgefühl mit den armen Wichten, die unsere jämmerliche Gegenwart regelmäßig zu erdulden verurteilt sind.

    © Andrea Marchetti

Wäre es nicht wunderschön, da imstande zu sein, dem Betreffenden gelassen ins Auge zu blicken und aus tiefstem Herzen zu sagen:

  • Es tut mir leid, dass es Ihnen so zu schaffen macht, aber wissen Sie, momentan fühle ich mich einfach pudelwohl.
  • Tut mir leid, dass es Ihnen so schlecht geht. Kann ich Ihnen eine Tasse Kaffee holen, oder sonst etwas?“

© Andrea Marchetti

In der Regel läuft es aber ganz anders:
Wir sind verletzt und fangen sofort an, die Munition, die gerade abgefeuert wurde, noch einmal gegen uns selbst einzusetzen. Eine solche Konfrontation kann uns anschließend noch wochenlang zu schaffen machen. Niemand außer uns selbst kann die Tür aufschließen, um uns aus dem inneren Gefängnis zu befreien:

Tatsächlich steckt der einzige Schlüssel an der Innenseite. Dennoch dauert es lange, bis wir die Tür finden und den Schlüssel herumdrehen und endlich imstande sind, ins Freie zu treten, auf die blühenden Wiesen, in die frische, belebende Luft. Wir sind Kinder der Natur. Unsere Gedanken sollten wie ein Wind durch die saftstrotzenden Frühlingsblumen streifen und uns empor heben, uns für neue Horizonte öffnen, statt uns in der abgestandenen, toten Luft schmutziger Verliese einzusperren.

© Andrea Marchetti

„Willst Du geheilt werden?“

Dies ist eine der besten Fragen, die wir uns stellen können, wenn wir erkennen müssen, dass die Veränderungen, die wir ersehnen, nicht eintreten. Vielleicht wollen wir ja gar nicht frei sein. Etwas in unserem inneren Kerker bestätigt etwas in uns, das wir noch nicht bereit sind aufzugeben. Der Geist braucht sich vor keinen inneren Polizisten oder Kerkermeistern zu fürchten. Wir können genau so frei sein, wie es unsere Sehnsucht verlangt.
– John O’Donohue –

Ich mußte schmunzeln, als ich diesen Text las. Ja, ich erkenne mich auch darin wieder. Weniger häufig mitlerweile – und doch, auch diese Reaktionen auf Gewalt kenne ich. Dann läuft ein Automatismus ab, der es in sich hat. Doch dann kommt auch der Moment, wo dieses Karussel endet – und ich schauen kann, welches Gefühl da gerade gesehen werden wollte, wo die eigentliche Ursache für dieses Gefühlschaos liegt. Insofern bin ich dann dieser Situation wiederum dankbar, lehrt sie mich einmal mehr, eine weitere Baustelle aufzulösen. Ich sage ja immer wieder: Unser Leben bringt uns genau zu jedem Zeitpunkt die Geschenke, die für uns gut und wichtig sind.

Herzlichst

Evelyn

Mentorin auf Zeit


2 Kommentare

  1. 1. ruthspirit

    Kommentar vom 16. August 2012 um 12:38

    Hallo Liebe Evelyn…..

    du schreibst wunder voll und sie treffen genau mitten ins Zeitgeschehen ,den Nerv wie man so schön sagt..ich würde gerne ab und zu einige deien texte auf meinem Blog reinstellen und dadurch dein Block verlinken wenn du damit einverstanden bist…mach weiter so du schreibst mit Herz…

    von herz zu herz,güße Ruth

  2. 2. Evelyn

    Kommentar vom 16. August 2012 um 16:14

    Hallo Ruth,

    vielen Dank für die Anerkennung. Was eine Verlinkung anbelangt, so lasse mich bitte per Mail wissen, wie Du Dir das vorstellst. Ja?

    Und ja, mir sind die Themen ein Herzensanliegen, deshalb dieser Blog hier von mir. Ich glaube an den Wahrnehmungswechsel, bei uns allen!

    Herzlichst
    Evelyn

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