Negative Gefühle (Umgang)

Wie gehe ich mit Gefühlen um?

ping

© R. Schmid

Gefühle sind Anstöße. Sie sind Anstöße zurück-zufinden, zurück zu gehen zu dem, was mein wahres Wesen ist,  vollkommene Klarheit. Außerdem sind Gefühle Spiegelungen. Sie spiegeln den Grad meines Verbundenseins mit meiner Quelle, also meiner Mitte, der Stille wieder.

Langfassung

Gefühle (lat. Emotionen) bedeuten, sich heraus zu begeben aus dem Gleichgewicht. Die Gefühle erzeugen in mir ein Gefühl des Lebendigseins, des aktiven Teilnehmens. Intensive Gefühle erzeugen auch eine gewisse Zeitlosigkeit in mir, weil die Konzentration auf die Gefühle, gerade wenn sie sehr stark sind, den Fokus von allen anderen Dingen ablenkt.

© Andrea Marchetti

Gefühle werden gerne eingeteilt in negative und positive, in angenehme und unangenehme, starke, schwache. Da gibt es eine riesige Skala. Das mag sinnvoll sein. Es ist aber viel leichter die Einteilung zu lassen.

Fange ich mal mit negativen Gefühlen an. Negative Gefühle haben oft meine besondere Aufmerksamkeit, weil diese negativen Gefühle in Zukunft vermieden werden sollen, weil ich sie weghaben möchte, weil sie schlicht quälend sind. Dadurch wird die Angst vor negativen Gefühlen noch verstärkt. Aber wenn ich ihren wahren Ursprung ansehe, so ist es möglich zu erkennen, dass sie nur aus einem Bewertungsschema entstehen, genauso wie positive Gefühle.

Ich kann ja bei Menschen, bei denen eine gewisse Verdrehung stattgefunden hat, beobachten, dass sie das, was andere als negativ ansehen, als positiv empfinden. Das heißt: Die Bewertung bestimmt, wie es im Inneren wahrgenommen wird. Gefühle sind wesentlich komplexer als Gedanken. Sie sind ein Gemisch von Vergangenheit und Zukunft, von Bildern, Gerüchen, Abläufen, sehr komplex und für den Verstand völlig undurchdringlich. Deswegen kann ich Gefühle niemals mit dem Verstand auf den Grund gehen.

Wie alles, was erschaffen ist, was im Äußeren oder in mir erscheint, sind Gefühle eben nur etwas Sekundäres, etwas Erschaffenes, und um ihnen auf den Grund zu gehen, muss ich den entscheidenden Schritt gehen, der mich zur primären Quelle all dessen, was ist, führt. Diese Quelle all dessen, was ist, trägt viele Namen, ist aber namenlos. Diese Quelle existiert in jedem einzelnen und ist doch ein großes Ganzes.

© Andrea Marchetti

Jeder hat nicht nur Anteil daran, jeder ist es. Ich bin buchstäblich eins mit der Natur, mit jedem einzelnen Menschen, den ich kenne oder auch nicht kennen, mit den Gebirgen, Flüssen und Seen und den Gedanken, Vorstellungen, allen Zeiten, allen Orten. Bei dieser Information muss der Verstand streiken. Dafür ist er nicht da. Aber wenn ich mich sehr tief hineinfallen lasse, in mich selbst, gibt es eine Wahrnehmungsinstanz, die diese Wahrheit fühlt. In diesem Moment entsteht etwas, das mit dem Begriff „Gefühle“ nicht mehr richtig beschrieben wird. Es ist ein Wahrnehmen, es ist auch ein Erkennen. Es kann etwas Ähnliches wie ein Bild entstehen. Das, was dann da ist, wird oft beschrieben mit tiefer Friede, Ruhe und Ausdehnung, einem Verbundensein mit allem. Diese Beschreibung hängt auch davon ab, welche Wörter ich ganz besonders gerne verwende.

© Andrea Marchetti

Philosophisch gesehen, könnte ich sagen, es ist das Alles im Nichts. Es ist der Gedanke einer Knospe des Lebens oder das allumfassende Noch-nicht und gleichzeitig unterliegt diesem eine Zufriedenheit, ein Geborgensein, die Abwesenheit aller Gefühle, die ich normalerweise als negativ oder positiv einstufe. Es ist auch kein Gefühl der Euphorie des Angekommenseins. Es ist einfach da und es ist allumfassend.

Bewege ich mich aus der Sphäre meines tiefsten Inneren, so bin ich dort, wo etwas ist, aber die Gefühle noch nicht sind. Dort gibt es zwar Gefühle, aber sie sind nur existent als Möglichkeit einer Anlage. Dort sehe ich Licht, dort spüre ich eine tiefe Liebe und das Gefühl, das damit verbunden ist, ist Dankbarkeit. Dankbarkeit ist die Öffnung für das, was ist. Dankbarkeit hat damit zu tun, etwas erkannt zu haben. Hier ist das allumfassende Wissen, das ich anzapfe. Auch das, was hier ist, bin alles ich, wie jeder andere auch.

© R.Schmid

Wenngleich es jetzt in verschiedenen Stufen beschrieben wird, so ist es ein untrennbares, ineinandergefügtes Ganzes. Noch einen Schritt weiter entstehen Bilder. Dort sind auch Gefühle. Dort sind Bilder, die ich schon einmal gesehen haben, die mir auch schon einmal Angst gemacht haben, da kommen Erinnerungen, da ist eine Verflochtenheit vorhanden. Es ist ganz nahe an meinem Kern und hier ist auch die Ebene, auf der viel gelöst wird, weil hier die Verbindung zum tiefsten Wesen sehr stark ist. Aber hier sind Gefühle das erste Mal wirkliche Gefühle, denn ich bin bereits in der Sphäre der manifesten Schöpfungen. Manifest bedeutet nicht Materie, sondern nur, dass etwas da ist. Je weiter ich nach Außen, in das große Spiel, einsteige, das mit dem Verstand gespielt wird, desto mehr Gefühle, sind dort anzutreffen, die ich fühle, die mich prägen, die ich vermeide oder suche.

© Andrea Marchetti

Da dies alles vom Verstand geprägt ist, versuche ich zu analysieren. Es ist ein wunderbares Spiel, das aber am Kern der Sache vorbei geht. Hier sind starke positive oder negative Gefühle in ihrem Wesen gleich. Sie zeigen nur in ihrer Intensität den Grad des Abgewandtseins vom tiefsten Kern an, denn auch in extrem positiven Gefühlen bin ich für den Moment vom Kern entfernt. Die einzige Erkenntnis dieser Gefühle ist, ich habe mich entfernt. Also gehe ich den entscheidenden Schritt in die Verbindung mit meinem Kern zurück. Ich kann dies mit bestimmten Techniken tun, ich kann auch einfach loslassen. Festhalten wollen erzeugt Qual, weil es gegen die Natur dieser erschaffenen Dinge ist. Es ist eine Vergewaltigung der Natur, festhalten zu wollen.

© R. Schmid

In vielen Therapien geht es darum, negative Gefühle zu bewältigen. Das kann klappen, das kann aber auch schief gehen. Die negativen Gefühle zu durchschreiten und damit ihre Nichtigkeit zu erkennen, ist ein sehr schöner Weg, der zeigen kann, das NICHTS bleibt, auch keine Negativität. Dasselbe ist auch sinnvoll mit besonders positiven Gefühlen, die ich ja eigentlich suche und nicht vermeide. Auch sie zeigen einen Grad des Entferntseins an. Positive Gefühle zu bewältigen, genauso wie negative Gefühle, ist ein sehr kraftvoller Prozess, in dem ich, egal ob es um positive oder negative Gefühle geht, die Energie, die große Power meiner Gefühle benutze, damit diese Kraft mich wieder zurückbringt in das Auge des an der Oberfläche tobenden Sturmes, nämlich zum Kern.

Egal wie Gefühle aussehen, sie sagen nur: Ich bin entfernt, geh zurück! (PING)

[R. Schmid 05.09]


1 Kommentar

  1. 1. Alexandra Gravina

    Kommentar vom 30. Januar 2010 um 16:19

    Ein wundervoller Artikel, vielen Dank!
    Meiner Erfahrung nach gibt es einen Unterschied zwischen Emotionen und Gefühlen. Emotionen sind z.B. Ärger, Frustration, Freude usw. Gefühle gibt es nur zwei: Liebe/Dankbarkeit auf der einen Seite und Angst auf der anderen. Wie du schreibst ist die Liebe+Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück und zu höheren Dimensionen des Seins. Je öfter wir diesen Schlüssel nutzen, um so erfüllter wird unser Leben.
    Alles (ist) Liebe,
    Aleandra

Einen Kommentar schreiben