Im Krankenhaus

© Evelyn Worbs

Ein kleines Mädchen von gut 6 Jahren liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Sie kann sich kaum bewegen, denn sie liegt fast ganzkörprig im Gipsbett und ist völlig auf Hilfe anderer angewiesen…

Krankenschwestern und Pfleger kümmern sich um mich. Deren Dienst auf der Krankenstation beginnt schon  sehr früh, haben sie doch viele Patienten zu versorgen. Der morgentliche  Ablauf begann so gegen 4.00 Uhr, draußen ist es noch dunkel: Wecken durch das Anmachen der grellen Deckenlampen, Waschen mit fast kaltem Wasser, Bett machen, Fieber messen, Verband wechseln etc.

Und ganz besonders achten die Pfleger, und mancherlei Krankenschwester,  darauf, dass auch wirklich alles genau und sorgfältig gewaschen wird. Dazu gehört ganz intensiv der Intimbereich. Hier wird mit geseiften Fingern in die Scheide eingedrungen, in den After und ich versteht das nicht, denn das machte doch meine Mutter auch nicht.  Mir  wird gesagt, dass das zum Waschen gehört und mich nicht so anstellen soll und so ertrage ich es irgendwann ohne Gegenwehr.

© Andrea Marchetti

Ich hatte auch hier im Krankenhaus gelernt: Schreien und Weinen ist verboten. Denn wenn ich laut schrie und rebellierte, wurde ich beschimpft, gekniffen und/oder ganz allein in ein dunkles Zimmer gesperrt, weit weg von den anderen. Und das besonders gern in der Nacht: dann kam ich mit dem Bett ins kalte Stations-Badezimmer.

© Andrea Marchetti

Dunkel war es dort und die Fensterscheiben waren milchig. Der Mond ließ etwas Licht erahnen. Die Bäume und deren Äste vor dem Fenster bewegten sich im Wind und es entstanden Schattenspiele, die mich sehr ängstigten. Ich wimmerte und bekam zusätzlich Ärger durch das Pflegepersonal. Auch drohte man mir, dass meine Eltern wieder einmal mehr nicht zu Besuch kommen dürften, wenn ich weiterhin so ein Theater machen würde. Und es war ja sowieso nur 2 x die Woche erlaubt, Besuch zu bekommen.

Und so lernte ich ein weiteres Mal das Schweigen.

© Andrea Marchetti

Auch das ist ein Fall aus der Praxis. Ein Einzelgeschehen? Nein, leider alles andere als das. Doch vielleicht hilft ja dieser Beitrag, dass solche Vorkommnisse immer weniger werden.
Auch das gehört zum Wahrnehmungswechsel, dem wir mehr und mehr Aufmerksamkeit schenken dürfen. „Hört“ Euren Kindern zu, sie lassen Euch alles wissen, was sie bedrückt. Sie zeigen es auf so vielfältige Art und Weise. Vertraut ihnen.

Herzlichst

Mentorin auf Zeit


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