Grenzüberschreitungen

© Evelyn Worbs
Ich frage mich immer wieder, wo Missbrauch überhaupt anfängt und ob wir uns um die fließenden Grenzen bewußt sind. Wir lesen in der Zeitung, dass Eltern ihr Kind quälten, hungern ließen, schlugen, und noch schlimmeres mehr. Doch kann es sein, dass uns selbst im Alltag nicht immer die Grenzen klar sind?
Wie ist es zum Beispiel wenn die Mutter oder der Vater das Essen zubereitete, man (vielleicht) gemeinsam am Tisch sitzend die Mahlzeit einnimmt und das Kind partout nicht alles auf essen will, was auf dem Teller liegt? Es wird gelockt, es wird gedroht und schließlich heißt es dann meistenteils: “Wenn Du jetzt nicht auf isst, ist Mutter/Vater sehr traurig und hat dich nicht mehr lieb.”
Für ein Kind ist nicht geliebt zu werden eine sehr große Bedrohung. Braucht es doch die Fürsorge und Liebe der Eltern, das Geborgensein. Also wird es aufessen. Und die erste Erpressung ist durchgelaufen, weitere werden folgen. Das Kind verinnerlicht damit: ich bin für die Gefühle meiner Eltern zuständig, ich darf nicht Nein sagen, ich muss tun, was man mir sagt. Schon ist die emotionale Grenzüberschreitung da.
Sind wir uns darüber im Klaren, dass solcherlei Verhalten zu späteren Essstörungen führen können, zu Persönlichkeitsstörungen, zu einer unreflektierten Anpassung, zu fehlendem Selbstvertrauen? Einfach, weil die Grundlage dafür in einem Alter gelegt wurde, als sich das Kind nicht wehren konnte? Es war ja schließlich von seinen Eltern abhängig.
Und welche Erfahrungen gibt der spätere Erwachsene dann weiter? Wahrscheinlich wird er genauso handeln, wie er/sie behandelt wurde. Denn die Ursache für dieses Verhalten ist längst vergessen und gut verdrängt; die Erinnerung jedoch bleibt im Unterbewußten abgespeichert und löst so dann das aktuelle Handeln aus.
Es lohnt sich darüber nachzudenken, welche Erfahrungen Sie selbst verinnerlichten.

1. Sand
Kommentar vom 24. Januar 2012 um 19:21
Für ein Kind ist nicht geliebt zu werden eine sehr große Bedrohung. Braucht es doch die Fürsorge und Liebe der Eltern, das Geborgensein. Also wird es aufessen. Und die erste Erpressung ist durchgelaufen, weitere werden folgen. Das Kind verinnerlicht damit: ich bin für die Gefühle meiner Eltern zuständig, ich darf nicht Nein sagen, ich muss tun, was man mir sagt. Schon ist die emotionale Grenzüberschreitung da.
Und welche Erfahrungen gibt der spätere Erwachsene dann weiter? Wahrscheinlich wird er genauso handeln, wie er/sie behandelt wurde.
Wahrscheinlich.
Es gibt auch Ausnahmen!!!!
2. Evelyn
Kommentar vom 26. Januar 2012 um 18:57
Gott sei Dank gibt es Ausnahmen!
Und jeder von uns darf sich entwickeln – auch aus den antrainierten Mustern heraus. Das ist möglich … und dazu leiste ich mit der Aufklärung auf diesem Blog einen kleinen Beitrag zum “Wahrnehmungswechsel”.