Abwehrmechanismen – Intellektualisierung

© Andrea Marchetti

Wir haben es vielfach verlernt, mit unseren Gefühlen umzugehen. Wir wollen geliebt sein, wir wollen Anerkennung erfahren.  Und wir lernten zumeist bereits in der Kindheit, wie man so tut, als wenn die eigene Welt in Ordnung wäre.

Die seelischen Ursachen von Neurosen, mit denen wir alle – ohne Ausnahme – zu tun haben, sind vielfältig. Sie sind von so äußerst schmerzhafter Natur, daß der Mensch sich der Bewusstmachung der inneren Konflikte einen unbewussten Widersand entgegen setzt. Unsere Verleugnung der Gefühle führt zu Abwehrmechanismen.

Heute geht es um das Intellektualisieren, also das sich von allen Gefühlen zu distanzieren.

© Andrea Marchetti

Zum „Erhirnen“ – ich sage auch gerne „Gehirnjogging“ dazu – wird alles herangezogen, was der Verstand nur vorzubringen vermag. So werden mittels „logischer“ Erklärung die emotionalen Vorgänge ausgeblendet. Sozusagen abstrahiert, verallgemeinert, entpersönlicht. Gleichzeitig dient dieses Verhalten dazu, von den eigenen Gefühlen – es kann neben der Angst auch Scham, Zorn und Wut sein die durch andere ausgelöst wurden – abzulenken. Quasi ein Verhalten, das dazu dient, die eigenen Gefühle wieder zu beruhigen. Zumeist wird dieses Verhalten von den Menschen angewandt, die über eine ausgesprochen gute Sprachfähigkeit verfügen.

  • Da wird dann um des „Kaiser’s Bart“ diskutiert,
  • da werden andere schuldig gesprochen über fehlende Logik,
  • da wird mit dem Finger auf andere gezeigt wg. vorhandener Emotionen
  • Die Moral wird herangezogen,
  • Liebe und Zuneigung wird „entzogen“,
  • wird das „Recht haben“ in den Vordergrund gestellt und noch vieles mehr.

© Andrea Marchetti

Und unser Verstand fährt alles auf, wovon er in irgendeiner Form Kenntnis hatte. Denn der Verstand vergleicht und sucht nach Vorteilen, weiter von dem erlebten Schmerz, der sich tief vor langer Zeit in uns eingegraben hat und noch immer in uns wohnt, abzulenken.

Hat ja auch Vorteile:
Wir stehen vermeintlich im guten Licht da und haben die „angebliche“ Kontrolle über die Situation. Es wird zum Ausdruck gebracht, daß keinerlei Angst vorhanden ist und dient dazu, den anderen „in Schach“ zu halten.

Der Witz daran ist jedoch,
daß wir einen emotionalen Missbrauch mit uns selbst betreiben und andere auch missbrauchen, indem wir es versäumen, offen unsere Gefühle zu kommunizieren. Und dann wundern wir uns, wenn „die Jugend“ heutzutage so „gefährlich“ ist, so „unberechenbar“. Wen verwundert’s? Wird ihnen doch vorgelebt, daß Gefühle zu haben „uncool“ ist und nur der „Verstand“ zählt. 

Hier ein sehenswerter Link:

Na, ertappst Du Dich auch dabei? Es ist keine Schande, es ist kein Grund für Scham oder ähnliche Gefühle. Es ist einfach an der Zeit, sich dieses Mechanismus immer mehr bewusst zu werden, um ihn aufzulösen. Auch und gerade mittels therapeutischer Hilfe.

Mehr hierzu auch unter Abwehrmechanismen .

Herzlichst

 

Evelyn

– Mentorin auf Zeit –


1 Kommentar

  1. 1. Barbara H.

    Kommentar vom 19. Januar 2012 um 19:45

    Das kenne ich, passiert mir noch manchmal.
    Den Begriff „erhirnen“ finde ich gut! 😉

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